The real thing

(English version below)

Alle Welt redet davon, dass man wieder zum Ursprünglichen zurück muss. In den Einkaufwägen im Supermarkt entdecke ich davon allerdings wenig. Da schleppen die Hausfrauen und Hausmänner immer noch den gleichen industriell produzierten Murks nach Hause.

Klar ist das auch eine Frage des Preises, klar muss man auch danach suchen, klar ist manches etwas gewöhnungsbedürftig. Als ich das erste Mal bei meinem neuen Lieblingsmetzger in Neubiberg Koteletts kaufte war ich extrem skeptisch. Das Fleisch war verfärbt, hatte dunkle Stellen an Orten, die ich nicht gewöhnt war und wies zudem deutlich mehr Fettadern auf. Die zubereiteten Koteletts, serviert mit Pommes Dauphine und einer hauchdünnen Schicht hausgemachter Kräuterbutter waren zart und unglaublich Köstlich.

Gestern ging es mir bei ein paar Schnitzeln aus der Oberschale ähnlich. Meine geliebte Chefeinkäuferin hatte sie besorgt, als ich sie auspackte überfiel mich wieder eine gewisse Zurückhaltung. Sie waren nicht sehr gleichmäßig geschnitten (das kann in diesem Laden wohl effektiv nur der Chef) vor allem aber wieder das gleiche Spiel: Fettränder, unterschiedlich durchblutetes Fleisch, Verfärbungen. Die fertigen Cotolette alla Milanese waren ein Gedicht. Mein Herr Sohn hat sich zwei davon einverleibt – obwohl er davor schon eine recht anständige Portion handgemachter Caramelle mit Parmaschinken Füllung in einer Knoblauch-Sahne Sauce verzehrt hatte.

Das bringt mich zu diesen Bildern. Ich hatte sie gestern ins Netz gestellt und gebeten zu raten, worum es sich handelt. Man hatte auf Kürbis oder Avocado getippt. Ein wenig ist das wie im wirklichen Leben, wenn die Angestellten wieder mal erraten wollen, was das Management wirklich will. Es handelte sich um echtes Orangat und Zitronat, wie man es bisweilen bei Spina in München frisch aus Italien kaufen kann. Wenn man das erste Mal daran schnuppert muss man unweigerlich an Goethes „Land wo die Zitronen blühen“ denken. Ästhetisch schön und geschmacklich kaum zu überbieten.

Vielleicht sollten wir auch bei Leben und Arbeit ein wenig mehr Wert auf „The real Thing“ legen und weniger Surrogate benutzen. Weniger Marketing Salti schlagen und Kollegen, Chefs, Kunden und Lieferanten öfter mal mit der realen Welt konfrontieren.

Ich sei ein Träumer, meinen Sie? Das ginge nie und nimmer?

Wann haben Sie es denn das letzte Mal versucht?

(English Version)

Everybody talks about going back to the real thing. However, in the average shopping cart in the average shopping mall I still see the same industrially produced rubbish.

I know, price matters. You also have to look hard for the good stuff, there is even some food that might require getting accustomed to. When I visited my new favourite butcher in Neubiberg the first time, to buy some pork chops I was sceptical. The meat he showed me was discoloured, showed patterns of fat and had dark spots that I wasn’t used to. Once fried in French butter, garnished with a thin layer of home made herbal butter and served with Pommes Dauphin the chops were tender and delicious.

The same happened to me yesterday. Once I unpacked the escallops Doro had bought I became doubtful. The cuts were not even (in this particular shop only the old master has this ability …), but mainly it was the same spiel: fat where I didn’t expect it, discolourings. The Cotolette alla Milanese were … Splendid. A poem to cooking. My dear son ate two of them, despite the fact that he had had a sizeable portion of Caramelle con Prosciutto di Parma with a cream and garlic sauce.

Which takes me to the pictures I published yesterday, asking my friends what they thought it was. Some guessed pumpkin, others avocado. In the end my Greek friend Dimitra got it first: caramelized oranges and lemons.  The whole process reminded me a bit of employees trying to guess what the management really wanted. Most of the time people fail and feel a little … misled, to put it mildly.

By the way: The caramelized fruits you can buy at “Spina’s” in Munich, freshly imported from Italy. Their fragrance is wonderful and makes you think of southern Italy or Greece. The way they sell it is ecstatically as well as taste wise breath-taking.

The essence to me, however, is: We should also when it comes to our lives and our work, put more emphasis on “the real thing”. Maybe we should use less surrogates. Doing less marketing somersaults and confront colleagues, bosses, suppliers and customers alike with the real world.

I’m a dreamer you say? That would never work?

When was the last time you tried ?

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